Nahrungsmittelkrise in Malawi



Hoffen wir, dass jeder Samen wachsen wird!

 

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Vor einigen Tagen erreichte uns dieser hoffnungsvolle Brief von Magnus MacFarlane-Barrow, den wir hier wiedergeben wollen:

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Liebe Freunde,
Regen! Wunderbarer, heftiger Regen prasselt auf die ausgedörrte malawische Erde nieder und durchnässt sie. Obwohl es nicht lange andauert, beginnen die Menschen den Boden für das Einpflanzen vorzubereiten. Sie beten, der Regen möge anhalten – nicht zu viel und nicht zu wenig –, damit die Samen dieses Mal Frucht bringen und die Arbeit sich lohnt.

Es sind noch viele Monate bis zur Ernte und viele Menschen leiden großen Hunger. Fatsileni ist 11 Jahre alt. Sie steht jeden Morgen sehr zeitig auf, um auf dem Familienfeld saubere Furchen zu graben, in der Hoffnung, darin den kostbaren Samen einsetzen zu können. Nach zwei Stunden Arbeit geht sie mit einem noch leeren Magen den weiten Weg zur Schule. „Manchmal, wenn wir einige Tage nichts gegessen haben, tut mein Bauch weh und ich fühle mich schwach“, erklärt Fatsileni, eines von acht Geschwistern.bildschirmfoto-2017-01-10-um-17-17-47

Vor einem Jahr haben wir damit begonnen, Mary‘s Meals in Fatsilenis Volksschule anzubieten. „Für meine Eltern ist es eine große Erleichterung“, erzählt sie. „Sie wissen jetzt, dass ich jeden Tag etwas zu essen habe.“ Fatsilenis Eltern hatten in ihrer Verzweiflung begonnen, ihren Kindern Maiskolben – Schalen zu essen zu geben, die normalerweise nur von Tieren gefressen werden. Fatsilenis Mutter Catherine berichtet: „Wir haben früher schon einmal vier Tage ohne etwas zu essen überlebt. Wir haben überlebt, aber werde ich mich bis nächstes Jahr um meine Kinder kümmern können?Jetzt hilft mir Mary‘s Meals – der Brei ermutigt die Kinder, weiterhin in die Schule zu gehen und den Unterricht zu besuchen.“ Keine Eltern sollten gezwungen sein, ihre Kinder mit Tiernahrung zu ernähren! Für Familien wie jene von Fatsileni bete ich, dass der Regen ausreichend fallen möge und jeder Samen, der in die dunkle Erde eingesetzt wird, reiche Frucht bringen möge! Ich bin voll Hoffnung, dass jedes Ihrer Geschenke, liebe Leserin und lieber Leser, und jeder Samen, den wir in Form einer neuen Schulmahlzeit einpflanzen, im Leben der Kinder wunderbar heranwachsen wird.

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DANKE!
Magnus MacFarlane-Barrow

 

„Diese Nahrungsmittelkrise ist die schlimmste, die ich je erlebt habe.“

.Trockenheit in Malawi

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Nach verheerenden Überschwemmungen und zwei Dürrejahren besteht im Süden Afrikas eine derart gravierende Nahrungsmittelknappheit, dass viele Familien vom Hungertod bedroht sind. Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Tonnen von Lebensmittelhilfslieferungen werden benötigt, damit die Menschen überleben können.

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Malawi ist von der aktuellen Krise sehr betroffen: 6,9 Millionen Menschen, das ist fast die Hälfte der Bevölkerung des Landes, haben nicht genug zu essen. Im Vorjahr waren es im Vergleich dazu 2,8 Millionen Menschen. Im April hat Präsident Peter Mutharika den Notstand ausgerufen. Am kritischten ist die Situation in den südlichen und zentralen Regionen des Landes, wo viele Menschen ihr ganzes Hab und Gut verkaufen müssen, um sich Nahrungsmittel leisten zu können.

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Die 32-jährige Felia Binwell, Mutter von fünf Kindern, ist besorgt: „Ich habe meinen Job verloren und die Ernte ist schlecht ausgefallen. Ich kann meine Familie nicht ernähren und ich leide sehr darunter, dass ich nicht weiß, wie ich für meine Kinder sorgen soll.“

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Das Ausmaß akuter Unterernährung ist hoch und ohne humanitäre Hilfsmaßnahmen wäre die Situation in vielen Teilen noch um etliches schlimmer. Für die Kinder sind die täglichen Schulmahlzeiten von Mary’s Meals derzeit wichtiger als je zuvor. Das Schulernährungsprogramm ist für viele Kinder eine Rettungsleine. Daher arbeiten wir an Strategien, wie wir in dieser prekären Situation – wenn es die finanziellen Mitteln erlauben – noch mehr Kinder mit den lebenswichtigen Mahlzeiten erreichen können; besonders im Süden von Malawi, wo im Bezirk Mlomba in Machinga besonders bedürftige Kinder und deren Familien leben.

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Der Schulleiter der Pulika Primary School in Machinga sagt: „Diese Nahrungsmittelkrise ist die schlimmste, die ich je erlebt habe, und das ist erst der Anfang. Wir wissen, dass es noch schlimmer werden wird.“ „Ich dachte mir in den letzten Monaten, dass wir die Schule zusperren müssen. Darum bin ich sehr dankbar, dass nun Mary’s Meals hierher gekommen ist. Ihr habt unsere Schule gerettet. Ihr habt nicht nur Likuni Phala (Maisbrei mit Vitaminen und Spurenelementen, Anm. d. Red.) mitgebracht, sondern auch Ermutigung, Motivation und etwas Hoffnung.“

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„Wie werde ich morgen mein Kind ernähren?“

Am Beginn des Vorjahres gab es in Malawi verheerende Überschwemmungen, die auch Mary’s Meals vor neue Herausforderungen stellten. Magnus MacFarlane-Barrow berichtet über die Auswirkungen der Naturkatastrophe und wie Mary’s Meals daran arbeitete, betroffenen Familien dennoch Hoffnung zu schenken.

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Vor fast zwei Jahren wurde Malawi von einer der schlimmsten Überschwemmungen in seiner Geschichte getroffen. Häuser wurden wie Streichhölzer weggeschwemmt, große Flächen wurden verwüstet und weite Felder mit wertvollen Pflanzen standen unter Wasser. Joyce Petro – Mutter von sechs Kindern – und ihre Familie mussten ihr Zuhause verlassen und zusehen, wie die Fluten ihr Haus, ihre Felder und alles, was sie und ihr Mann jemals besessen hatten, mit sich rissen.
 Mit ihrem Besitz haben die gnadenlosen Fluten auch ihren gesamten Lebensunterhalt weggeschwemmt. Die Situation schien hoffnungslos.

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Am Morgen nach der Flut wurden Joyce und ihre Familie gerettet und in ein höher gelegenes Gebiet gebracht, und zwar zur Mchenga Primary School, wo es seit 2011 Mary’s Meals gibt.
„Wir hatten kein Haus und keine Felder, wohin wir zurückkehren konnten, und wegen Mary’s Meals leben wir jetzt hier in der Nähe der Schule. So bekommen zumindest meine Kinder den Brei zu essen und erhalten Bildung.“, sagt Joyce, vor ihrer Lehmhütte in Mchenga sitzend. Nach dem Hochwasser sind viele Familien in dieser Gegend geblieben – die Schülerzahl stieg von 900 auf weit über 1000 – und Dank der wunderbaren Unterstützung vieler Mary’s Meals-Freunde konnten wir allen Kindern täglich den Brei geben.

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Aber nun wird Malawi von einer weiteren Bedrohung heimgesucht, die vielleicht noch gefährlicher ist als das Hochwasser: Die diesjährige Ernte ist erbärmlich. Die Maisernte ergab 30% weniger Ertrag als erwartet. In einem Land, in dem der Mais Grundnahrungsmittel ist und viele Familien damit zu kämpfen haben, sich selbst zu ernähren, ist das eine sehr schwierige Situation. Außerdem schießen die Lebensmittelpreise in die Höhe.
Wir rechnen damit, dass in 20 betroffenen Bezirken, wo Mary’s Meals tätig ist, die Schülerzahlen steigen werden. Für die meisten Kinder wird der Phala-Brei das einzige Essen am Tag sein. Über zwei Millionen Menschen werden Hilfe benötigen, um zu überleben. Auch Joyce und ihre Familie sind betroffen: 
„Wir haben nichts zu essen. Wir hatten heute nichts. Wir hatten gestern nichts und wir werden wahrscheinlich auch morgen nichts haben. Wenn es nicht Mary’s Meals gäbe, hätten meine Kinder gar nichts zu essen. Manche von ihnen würden vermutlich heu- te gar nicht mehr bei uns sein.“, klagt sie. Es ist für uns immer wieder berührend zu erleben, wie mit Hilfe von Mary’s Meals selbst in einer derart schwierigen Situation die Hoffnung auf eine bessere Zukunft am Leben bleibt.

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Joyces neunjähriger Sohn, Yohane, der die Mchenga Grundschule besucht, hat ein Lächeln im Gesicht, wenn er erzählt: „Ich habe nicht einen einzigen Tag in der Schule verpasst, und ich genieße den Brei sehr. Wer weiß, vielleicht kann ich, wenn ich weiter zur Schule gehe und Mary’s Meals bekomme, eines Tages ein Arzt sein. Dann werde ich mir keine Sorgen machen müssen, wo ich mein Essen am nächsten Tag her bekommen werde, sondern ich werde anderen armen Familien helfen können!”, erzählt Yohane ganz begeistert.

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Im Vertrauen auf Ihre anhaltende, beeindruckende Unterstützung können wir sagen, dass wir bereit sind, in jenen Schulen, in denen wir bereits Mahlzeiten ausgeben, noch weitere Kinder zu ernähren. Mehr denn je wollen wir den Kindern in Malawi, die noch auf Mary’s Meals warten, die täglichen Schulmahlzeiten zur Verfügung stellen.

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Indem wir ihnen eine tägliche Mahlzeit in der Schule geben, helfen wir ihnen, die Nahrungsmittelkrise zu überleben, sodass die Kinder eine Ausbildung machen können, die sie ihrem Traum von einer besseren Zukunft näher bringt. Gleichzeitig können wir vielen Eltern in diesem Land eine der schwersten Lasten abnehmen, die sie in der bedrückenden Frage ständig begleitet: „Wie werde ich morgen mein Kind ernähren?“Leya volunteer Zambia 2015

Volunteer Leya

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Freiwillige Mitarbeiterin Leya

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Leya wohnt im dicht besiedelten Bezirk Chipata in Sambia, wo große Armut herrscht. Seit 2014 gibt es dort das Schulernährungsprogramm von Mary’s Meals. Leya ist 32 Jahre alt und Mutter von vier Kindern. Sie ist eine der vielen Mütter, die sich um die Zubereitung der Schulmahlzeiten kümmern. Seit kurzem besucht sie eine Abendschule, weil sie bemerkt hat, dass ihre Kinder bereits klüger sind als sie.Leya volunteer, Zambia 2015

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